Glocke Salzdahlum
Glocke in Salzdahlum: Abschied und Neuanfang
***13.09.2026***
Sicher haben Sie den vertrauten Klang der Glocken unserer Kirche St. Jürgen sofort im Ohr, wenn Sie an den Salzdahlumer Kirchturm denken. Die Glocken rufen zu Gottesdiensten und läuten das Wochenende ein. Sie teilen die Trauer am Ende eines Lebens und die Freude, wenn ein Kind geboren wird. Und ihr Uhrschlag begleitet uns durch den Tag.
Nun steht uns im Glockenturm eine Veränderung bevor, über die wir Sie und Euch informieren möchten.
Wie Sie sicher wissen, mussten im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Glocken zur Einschmelzung für die Waffenproduktion abgegeben werden. So auch zwei Glocken aus dem Kirchturm in Salzdahlum. In der Nachkriegszeit war man bemüht, noch nicht eingeschmolzene Glocken ihren Heimatgemeinden zurückzugeben. War eine Rückführungen nicht möglich, so galten diese Glocken als „heimatlos“ und wurden leihweise Kirchgemeinden zur Verfügung gestellt, die keine Glocken mehr hatten.
So befindet sich seit dem 22.12.1949 eine solche „heimatlose“ Glocke im Kirchturm der Kirche St. Jürgen hier in Salzdahlum. Die Herkunft der Glocke wurde in Schlesien vermutet, ein Schild im Turm vor der Glocke weist darauf hin. Sie hat unsere Kirchengemeinde und unser Dorf über mehrere Generationen begleitet und blieb ein wichtiger Bestandteil des Geläuts in Salzdahlum. Bis heute sticht sie durch ihren klaren Klang heraus und sagt uns die Uhrzeit an.
Vor einigen Monaten trat nun die Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Godehardi in Wetzleben (ebenfalls Landkreis Wolfenbüttel) an uns heran. Es bestand die Vermutung, dass ebendiese Glocke Anfang der 1940er Jahre aus Wetzleben „kriegsbedingt entzogen“ wurde, aufgrund einer fehlerhaft zugewiesenen Registriernummer in den Nachkriegswirren ihren Weg nach Wetzleben nicht mehr fand und so nach Salzdahlum kam. Ein Gutachten brachte Klarheit: Die mittelalterliche Glocke ist eindeutig der Kirche St. Godehardi zu Wetzleben zuzuordnen.
Was bedeutet das nun für unsere beiden Gemeinden?
Zunächst einmal teilen wir als Kirchenvorstand die Freude der Gemeinde Wetzleben in der Nachbarpropstei, dass mit der zwangsweise eingezogenen und verloren geglaubten Glocke auch ein Stück Unrecht aus Kriegszeiten und Nachkriegswirren aufgeklärt werden konnte.
Das Rechtsreferat unserer Landeskirche hat nun kürzlich die rechtliche Einschätzung des Sachverhaltes vorgenommen. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Glocke weiterhin im Eigentum der Kirchengemeinde St. Godehardi zu Wetzleben steht, da sie nur leihweise nach Salzdahlum verbracht wurde.
Nach gründlicher Prüfung, auf Basis des Gutachtens von Matthias Dichter und der rechtlichen Einschätzung des Landeskirchenamtes, haben wir als Kirchenvorstand also im August entschieden: Wir werden dem Wunsch der rechtlichen Eigentümerin, der Kirchengemeinde St. Godehardi zu Wetzleben, nach Rückführung der Glocke anerkennen.
Dort wird die Glocke also bald wieder an der Seite ihrer kürzlich sanierten Schwesterglocke nach langer Zeit ein original erhaltenes mittelalterliches Geläut wieder vervollständigen. Auch aus kultureller und kunsthistorischer Perspektive ein großer Gewinn für unsere Region Wolfenbüttel.
Im Oktober wird die Glocke in Salzdahlum demontiert und zunächst in den Niederlanden in einer renommierten Glockenwerkstatt professionell saniert, bevor sie dann voraussichtlich im kommenden Jahr in Wetzleben das Geläut wieder vervollständigt.
Dennoch haben wir als Kirchenvorstand diese Entscheidung schweren Herzens und keineswegs leichtfertig getroffen. Der Verlust der Glocke hinterlässt im Kirchenvorstand und in Salzdahlum auch Abschiedsschmerz – sind doch wichtige Ereignisse wie Hochzeiten, Taufen oder der Tod eines geliebten Menschen mit ihrem Klang verbunden. Wir erkennen an, dass die Glocke aus guten und rechtlich stichhaltigen Gründen in ihre Heimat zurückkehrt, aber wir lassen sie auch mit einem weinenden Auge gehen. Den guten und freundschaftlichen Kontakt mit der Kirchengemeinde Wetzleben und das Verständnis für den auch schmerzlichen Abschiedsprozess wissen wir daher umso mehr zu schätzen.
Doch unser Blick geht voraus!
Wir werden uns in den kommenden Wochen und Monaten um eine transparente Kommunikation rund um das Thema bemühen. Dazu sind verschiedene Formate in digitaler und analoger Form geplant. Das kommende Jahr wollen wir zum „Jahr der Glocke“ machen, mit Mitmach-Aktionen, Gottesdiensten und spannenden Informationen rund um die Glocken in allen drei Kirchen unserer Dreieinigkeitsgemeinde. Denn sie verbinden uns als Christenmenschen und alle, die in Salzdahlum, Apelnstedt und Volzum leben.
Und es soll eine neue Glocke in den Salzdahlumer Kirchturm einziehen! Dafür haben wir ein Gutachten zu einem neuen Glockenkonzept in Auftrag gegeben, um zeitnah eine gute Basis und einen Kostenrahmen für die Modernisierung und Vervollständigung unseres Glockengeläuts zu haben. Wir freuen uns darauf, diesen Weg auch gemeinsam mit Ihnen und Euch gehen zu können.
Voraussichtlich wird der Erntedankgottesdienst in Salzdahlum am 4. Oktober 2026 Salzdahlum der letzte Gottesdienst sein, zu dem auch der Klang der Glocke aus Wetzleben einladen und uns begleiten wird. Dazu laden wie herzlich ein und freuen uns, mit Ihnen und Euch ins Gespräch zu kommen.
Mit herzlichen Grüßen im Namen des Kirchenvorstands
Lisa Koch (1. Vorsitzende und geschäftsführende Pfarrperson)
Sascha Schütze (2. Vorsitzender)
Kirchenvorstand
Namen & Telefonnummern
Pfarrerin Lisa Koch
05331 72226
Pfarrer Andreas Riekeberg
05331 77370
Tobias Bernstein
05331 8824689
Sabine Ehlers
05333 948782
Anja Laabs
05333 8141
Mareen Hoffmeister
05333 8212
Ulrike Herbst
05331 74143
Philipp Herold
0173 4147515
Sascha Schütze
05331 7033420
Adresse
Kirche St. Jürgen
Braunschweiger Straße
38302 WF-Salzdahlum
Pfarrerin
Pfarrerin Lisa Koch
Telefon: 05331 72226
Mobil: 01556 3915217
E-Mail